00:00:00: Jacqueline Charlier Was uns in der Stadtentwicklung auszeichnet, ist ja das Thema Abwägung der Belange. Wir müssen tagtäglich mit verschiedensten Wünschen, Herausforderungen, Anforderungen umgehen und die in einen Einklang zu setzen, Prioritäten zu setzen bzw auch die Ausgewogenheit in den Quartieren zu schaffen. Eine sehr, sehr hohe Kunst.
00:00:32: Sabine de Buhr Hallo und willkommen im neuen Jahr 2026 und damit auch zu der ersten Folge unseres Podcast. Hallo Hamburg Stadt neu bauen. Mein Name ist Sabine de Bur. In unserem Podcast sprechen wir mit verschiedenen Persönlichkeiten über die Zukunft der Stadt, über Wohnen, Nachbarschaft, Diversität und den großen Herausforderungen unserer Zeit. Heute sprechen wir mit einer Frau, die gerade einen bemerkenswerten Weg hinter sich hat.
00:00:56: Sabine de Buhr 22 Jahre Münchner Stadtplanung Kommunal Referenten Strategien für Wohnraum, Entwicklung und seit Juli 2025 Hamburgs neue Staatsrätin für Stadtentwicklung und Wohnen. Frau Jacqueline Charlier. Sie ist gebürtige Hamburgerin und bringt eine beeindruckende Mischung aus Praxis, Recht, Wohnungsbau, Kompetenz und einen klaren Blick für sozialverträgliche Nachverdichtung mit. Und das genau zu einem Zeitpunkt, an dem Hamburg dringend mehr Wohnraum, mehr Mut und mehr Lösungen braucht.
00:01:26: Sabine de Buhr Wir sprechen heute über Ihre ersten Monate in Hamburg, über gute Nachverdichtung, Bürgerdialog, Beteiligungskultur und Ihre Vision für die Stadtentwicklung von morgen. Herzlich willkommen, Frau Shelley!
00:01:40: Jacqueline Charlier Herzlichen Dank, Frau de Buhr und an alle Hörerinnen und Hörer.
00:01:44: Sabine de Buhr Bevor wir in die großen Fragen der Hamburger Stadtentwicklung einsteigen, möchte ich Sie gerne als Mensch und Planerin ein bisschen besser kennenlernen. Denn wer 22 Jahre in einer anderen Großstadt gearbeitet hat, bringt ganz automatisch neue Perspektiven mit. Lassen Sie uns gerne damit beginnen. Was hat Sie geprägt und was bringen Sie mit?
00:02:03: Jacqueline Charlier Ich bin Juristin. Das ist schon mal, glaube ich, von der Profession her wichtig. Und meine Leidenschaft ist wirklich die Stadtentwicklung, die Bodenpolitik. Und ich bringe wahnsinnig viel Enthusiasmus für das Thema per se mit. Ich glaube, das ist wichtig, weil man muss das gerne machen. Man muss mit Begeisterung an der Tätigkeit dran sein, weil man ja auch viel Arbeit reinsteckt.
00:02:25: Jacqueline Charlier Und das tue ich sehr, sehr gerne, schon seit über 20 Jahren. Sie haben es erwähnt, und damit habe ich natürlich einen großen Erfahrungsschatz, gerade in aus meiner Sicht sehr vergleichbaren Herausforderungen, die die Städte München und Hamburg mitbringen. Die kann ich sehr, sehr gut hier jetzt als Staatsrätin auch einbringen.
00:02:47: Sabine de Buhr Also war Ihnen von Anfang an klar Stadtentwicklung, das ist meine Leidenschaft.
00:02:51: Jacqueline Charlier Das wäre vermessen, wenn ich das sage, dass ich das gleich von Anfang an auch beim Studium auf dem Schirm hatte. Allerdings muss man sagen Ein Jurastudium ist jetzt erst mal ein Allroundstudium. Man fängt an, sich zwar zum Teil ein bisschen zu spezialisieren, aber man wird auch geprägt von den Professorinnen und Professoren, mit denen man zu tun hatte. Ich habe in Regensburg studiert und gerade mein Professor im öffentlichen Baurecht war fantastisch.
00:03:22: Jacqueline Charlier Er hat wirklich mit Begeisterung die Lesung gemacht, ist dann auch als Professor zum Bundesverfassungsgericht, als Richter gegangen. Und trotzdem war das natürlich noch nicht dort vorbestimmt, sondern ich hatte nach dem Studium durchaus zwei verschiedene Wege, die ich weiterverfolgt haben hätte können, nämlich Ich hatte durchaus auch mit der Justiz und auch mit dem Strafrecht geliebäugelt, weil mir das auch durchaus Spaß gemacht habe.
00:03:49: Jacqueline Charlier Und ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich den Weg dann doch nicht gegangen bin, sondern dann in München angefangen hab. Und in München, das muss man vielleicht dazusagen Als Jurist bei der Stadt bewirbt man sich nicht auf eine konkrete Stelle, sondern bewirbt sich erst mal als Jurist in der Verwaltung. Und dann? Dann wird geschaut, welche Stellen sind dort frei?
00:04:09: Jacqueline Charlier Und ich hatte die Wahl zwischen dem Sozialrecht, der Sozialbehörde und dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Und da habe ich überhaupt nicht lange gezögert. Gerade aufgrund meiner Passion im öffentlichen Baurecht in das Referat für Stadtplanung und Bauordnung zu gehen. Also heißt die Behörde dort Die Formulierung sind ja sehr unterschiedlich und ich habe mich von der ersten Sekunde dort sehr, sehr wohlgefühlt.
00:04:36: Jacqueline Charlier Ich habe als juristin in der Unteren Bauaufsicht in München angefangen, hatte also sehr viel Kontakt zu den Gerichten, auch den höheren Gerichten und sehr viel eben von vornherein in interdisziplinären Teams zu tun. Und ich glaube, das ist auch sehr, sehr wichtig. Dieses gemeinsame Arbeiten mit anderen Professionen hat mir immer viel, viel Spaß gemacht. Ich war nie im Rechtsamt, sondern konnte von der ersten Sekunde mitgestalten.
00:05:03: Jacqueline Charlier Und das hat den Ausschlag gegeben, dass ich dort mit einer großen Passion von Anfang an dabei war.
00:05:10: Sabine de Buhr Ich glaube, Sie haben damit eine sehr gute Wahl getroffen mit dem Thema Stadtentwicklung.
00:05:14: Jacqueline Charlier Das sehe ich auch.
00:05:15: Sabine de Buhr Sie haben gesagt, diese Möglichkeit in meine Geburtsstadt, zu meiner Familie zurückzukehren und gleichzeitig auch eine großartige berufliche Chance wahrzunehmen, konnte ich einfach nicht vorbeiziehen lassen. Also das geht hier um den Wechsel von München nach Hamburg. Sind Sie jetzt schon wieder richtig in Hamburg angekommen?
00:05:32: Jacqueline Charlier Ich bin nie richtig aus Hamburg raus. Weil ich ja meine Familie hier habe, war ich sehr, sehr regelmäßig in Hamburg. Und ich habe auch immer die Entwicklung, die Geschicke in Hamburg auch aus München heraus verfolgt. Und das war natürlich auch sehr leicht. Dadurch, dass wir zusammen in der Fachkommission Baurecht ja auch gesessen haben. Also das war die Fachkommission, in der ich dabei war und die ich auch sehr, sehr lange als Vorsitzende begleitet habe.
00:06:01: Jacqueline Charlier Und gerade auch der Kontakt zu den Kollegen in Hamburg war natürlich sehr, sehr wichtig, zusammen auch mit dem Berliner Kollegen, den Frankfurter Kollegen in Dortmund. Wir hatten wirklich eine tolle Beziehung, auch in der Fachkommission und daher habe ich immer den Kontakt zu Hamburg gehalten, sowohl privat, aber eben auch beruflich. Und gerade der Austausch zwischen den Städten ist so immens wichtig, weil viele der Schwierigkeiten Herausforderungen betreffen.
00:06:31: Jacqueline Charlier Ja, alle. Und viele haben großartige fachliche Inputs, Expertisen. Und wenn man sich da zusammentut und vernetzt und sieht, was hat denn der eine für eine Erfahrung gemacht, was hat der andere für gute Ideen? Das hat mich immer geprägt und macht auch meines Erachtens den Reiz aus. Und das kann ich hier natürlich jetzt gerade auf dieser Position, wo man ja auch für die Koordination mit den anderen Ländern zuständig ist, besonders gut weiterführen und auch weiter vertiefen.
00:07:04: Sabine de Buhr Das ist gut. Sie haben Hamburg immer mit einem Auge weiterverfolgt. Den können Sie sicherlich auch sagen, was aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Stellschrauben sind, über die eine Staatsrätin die Stadtentwicklung Hamburgs unmittelbar beeinflussen kann.
00:07:18: Jacqueline Charlier Also was als Staatsrätin ja toll ist, ist ja, dass man auch Wohnungsbau Koordinatorin ist. Ja, und das macht mir auch besonders viel Spaß, weil man natürlich dann auch den direkten Kontakt zu den Baufällen hat, zu den Bebauungsplänen hat, den engen Kontakt mit den ämtern, sucht, mit der Wohnungswirtschaft. Ich mag es, diese Konflikte und herausfordernden Fälle, die uns dadurch natürlich präsentiert werden, mitzugestalten, auch mit zu Lösungen zu kommen.
00:07:51: Jacqueline Charlier Und dafür ist natürlich gerade die Funktion der Wohnungsbaukoordination mit meinem Block Team sehr, sehr hilfreich.
00:07:59: Sabine de Buhr Das müssen Sie, glaube ich noch mal erklären, was ein Team.
00:08:02: Jacqueline Charlier Ist, also Wohnungsbau, Koordination, kurz Work. Und dazu gehört ein Team, das auch entsprechend mit Koordinationsrunden, wo alle Bezirksämter dabei sind, die Saga mit dabei ist, wo andere Behörden mit dabei ist. Schauen wir auf Konflikte, die sich in Bebauungsplanverfahren finden, die sich aber auch in Einzelfällen finden und jeder, jede kann sich an uns wenden. Und dann schauen wir uns, egal wie groß das Bauvorhaben ist, die Herausforderung an und schauen, dass wir hier wirklich zu Lösungen kommen, wie wir den Wohnungsbau ermöglichen können, wie wir Kompromisse finden können.
00:08:43: Jacqueline Charlier Und das ist natürlich eine sehr, sehr reizvolle Aufgabe. Der zweite weil Sie haben nach mehreren Stellschrauben gefragt, ist ja der Austausch gerade mit den anderen Ländern. Ich bin als Staatsrätin für die koordinierung, also die SPD Länder Koordinierung auf Staatsräte, Staatssekretären, Ebene zuständig und das macht auch sehr, sehr viel Freude. Frau Hein, als Senatorin ist ja die Koordinierung auf Senatorin und Ministerebene und dort merken wir, dass gerade der Austausch mit den anderen Ländern, um auch Initiativen vorzubereiten für den Bundesrat, für die Bund jetzt Beispiel gesetzbuch Novelle Der nächste Teil steht an, dort können wir uns entsprechend vernetzen, unsere Ideen einbringen.
00:09:33: Jacqueline Charlier Und das ist natürlich gerade dafür, wo wir selbst an den gesetzlichen Möglichkeiten dann dran sind, eine große Möglichkeit. Das zweite ist Wir sind im Ministerium, das heißt, wir haben natürlich auf Länderebene selbst auch die Hebel für entsprechende Gesetze. Das aktuellste Beispiel ist jetzt gerade die Hamburgische Bauordnung, die aber seit dem ersten ersten jedes Jahr neu gilt und die auch viele Vereinfachungen beinhaltet.
00:10:01: Jacqueline Charlier Und das ist natürlich auch noch mal eine sehr gute Stellschraube, zu selbst zu agieren. Das war etwas, was ich in München natürlich vermisst habe, weil wir dort nur Anregungen an das Ministerium machen konnten, aber nicht selbst reagieren konnten. Und das ist natürlich ein sehr, sehr großer Vorteil, den ich hier jetzt in Hamburg sehe.
00:10:23: Sabine de Buhr Der Stadtstaat hat schon Vorteile. Sie waren ja jetzt doch 22 Jahre in München, haben dort gearbeitet und bringen Sie Ideen mit aus München nach Hamburg? Oder gute Projekte, die wir uns als Hamburgerinnen und Hamburger auch mal anschauen können?
00:10:37: Jacqueline Charlier Also ich finde ja den Austausch zwischen den Städten wichtig, hatte ich auch schon gesagt. Und natürlich gibt es einige herausragende Projekte, wo man sicherlich gute Inspiration finden kann. Gleichzeitig gilt das aber andersherum natürlich genauso.
00:10:52: Sabine de Buhr Aber jetzt sind wir ja bei München.
00:10:54: Jacqueline Charlier Genau. Also Beispiel Ich finde die gemischten urbanen Gebiete sehr, sehr wichtig. Und da ist ein Gebiet sicherlich sehr interessant, was uns auch in München damals sehr viel Energie gekostet hat, aber dann in der Umsetzung herausragend und auch zum Teil jetzt noch in der Umsetzung sich befindet. Das ist das sogenannte Werksviertel befindet sich am Ostbahnhof in München. Und was macht den Reiz aus?
00:11:19: Jacqueline Charlier Wir finden dort sehr gemischte Strukturen. Fanny kennt jeder Knödel und Kartoffeln, die dort entwickelt wurden und deswegen haben wir hier sowohl mit Bestandsbauten zu tun, was ja meines Erachtens ein ganz, ganz wichtiger Zweig in der Zukunft sein wird. Also wie kann man mit Bestandsbauten umgehen? Wie kann ich aber gleichzeitig in solche Strukturen auch den Wohnungsbau einbringen? Wie kann ich mit den Freiflächen umgehen?
00:11:47: Jacqueline Charlier Und dadurch ist ein sehr, sehr interessantes Gebiet aus meiner Sicht entstanden mit schwierigen Anfangskonstellation, weil sehr viele Eigentümer dabei waren. Der städtebauliche Vertrag hatte es wirklich in sich und der Bebauungsplan hat natürlich eine gewisse Herausforderung und Zeitdauer auch gebraucht. Aber gerade wenn man jetzt sieht, was in der Umsetzung entstanden ist, auch wie es angenommen wird von den Münchnern und Münchnern ist das herausragend und auch die Architektur und das ist vielleicht auch noch mal wichtig, ist natürlich sehr, sehr entscheidend, wie auch solche Gebiete dann entsprechend wirken.
00:12:21: Jacqueline Charlier Ein anderes Gebiet ist für mich auch sehr reizvoll und da gibt es aber, finde ich auch hier in Hamburg tolle Beispiele. Ist das Kreativquartier, wo man auch mit kulturellen Nutzungen natürlich eine super Durchmischung schaffen kann. Und meines Erachtens ist diese Lebendigkeit in den Quartieren so entscheidend, dass wir wirklich verschiedene Nutzungen hinbekommen, dass ein Quartier wirklich zu allen Tageszeiten lebendig ist, kurze Wege hat, eine gute Durchmischung hat Und das ist natürlich insbesondere auch bei dem Wohnungsbau, bei den sozialen Infrastruktur, Notwendigkeiten so, aber natürlich auch mit den Freiräumen, mit der Grünen und mit der technischen Infrastruktur.
00:13:06: Jacqueline Charlier Und das machen gute Quartiere für mich aus. Und da wird es jetzt auch in Hamburg bei einigen Gebieten in der Zukunft mit der IBA spannend, aber da kommen wir, glaube ich, später noch dazu.
00:13:17: Sabine de Buhr Genau. Ich habe mitgenommen. Sie finden zwei Gebiete gut in München, das ist das Werksviertel und das Kreativquartier. Wir sind natürlich auch immer als Planende unterwegs und gucken uns andere Großstädte an, weil wir erfinden nicht immer alles neu, sondern ergänzen uns auch gerne miteinander. Auch gerade mit München hatte ich selber auch viel zu tun, mit Elisabeth Merck und jetzt auch die IBA München.
00:13:39: Sabine de Buhr Die findet dort ja auch statt. Wir hatten ja auch die Internationale Bauausstellung, also auch wir auf unseren planenden Ebenen tauschen uns rege aus. Aber danke noch mal für den Hinweis Kreativ Quartier. Das muss ich mir auch noch mal anschauen. Das kenne ich mich noch nicht. Kommen wir noch mal zu einem zentralen Thema in Hamburg, also nicht nur in Hamburg.
00:13:57: Sabine de Buhr Das ist ja in den ganzen deutschen Metropolen ein wichtiges Thema, und zwar der Druck, der auf dem Wohnungsmarkt herrscht. Sie haben das gerade schon angesprochen, welche Rolle Sie da auch zukünftig haben werden, in dem Sie diese Wohnungsbaukoordination unter sich haben. Man spürt ja in Hamburg als Stadtstaat die Themen, dass immer mehr Menschen in die Stadt kommen, dass die Fläche weniger wird, dass die Kosten steigen und wir aber als planende gleichzeitig auch den Anspruch haben, sozial gerechte Quartiere zu schaffen.
00:14:28: Sabine de Buhr Frau Shelly, Sie gestalten diese Fragen jetzt ja federführend mit. Welche Prioritäten setzen Sie in diesem Kontext? Um? Einerseits den Wohnungsbau zu stabilisieren, gleichzeitig aber auch Quartiere nicht zu überfrachten, Quartiere sozial zu stabilisieren.
00:14:44: Jacqueline Charlier Also zum einen ist meines Erachtens eine Mischung ganz, ganz wichtig, um eben ein ausgewogenes Quartier zu schaffen. Und mit Mischung meine ich wirklich die verschiedensten Arten von Wohnraum, Also geförderter Wohnraum natürlich, da in den verschiedensten Fördersystem, die Hamburg ja möglich macht, aber natürlich auch frei finanzierter Mietwohnungsbau auch. Also das dritte Mix, was Hamburg ja auch schon seit Jahrzehnten immer als wichtigen Aspekt reinbringt.
00:15:12: Jacqueline Charlier Und das finde ich das erkennt man auch gerade, wenn man auch ins Ausland schaut in Städten, da sind die deutschen Städte finde ich schon sehr vorbildlich mit ihrer Mischung, um eben da auch wirklich ausgewogene Quartiere zu bringen. Aber da gehört natürlich noch mehr drin. Sie hatten es auch gesprochen. Die soziale Infrastruktur ist wichtig, also ausreichende Kitaplätze, Schulsysteme, je nachdem wie groß die Gebiete sind.
00:15:38: Jacqueline Charlier Und natürlich geht es darum, wie schnell kriegen wir die Sachen umgesetzt. Und dazu gehört natürlich auch die Beschleunigung der Genehmigungsunter planungsverfahren. Da hat ja der Hamburg STANDARD einige Möglichkeiten entdeckt. Und da gehört natürlich auch ein Umdenken in der Behörde. Ein Umdenken aber auch bei dem Bauherren, also bei allen Beteiligten dazu. Und dazu möchte ich auch mit beitragen, dass man dieses Umdenken auch weiter befördert.
00:16:06: Jacqueline Charlier Also sprich von Anfang an alle notwendigen Voraussetzungen auf den Tisch, nicht erst später mit den ich sage mal weiteren Anforderungen kommen auch zu überlegen, was Forderungen Preisschild mäßig bedeuten, um auch den Wohnungsbau kostengünstig natürlich zu bauen. Mir ist ein Austausch sehr, sehr wichtig. Ich möchte verstehen, wo auch die Herausforderungen bei den privaten Akteuren da ist. Und deswegen stelle ich auch sehr, sehr viele Fragen derzeit auch in den Bündnisgesprächen, Weil natürlich gibt es vergleichbare Herausforderungen, aber die Strukturen sind doch jeweils immer ein bisschen anders.
00:16:44: Jacqueline Charlier Und auch da muss man natürlich erst mal die Grundlagen entsprechend verstehen. Ich mache mal ein Beispiel In München war ich verantwortlich für die sozial gerechte Bodennutzung, die, so Born, ein Baulandmodell, das seit Jahrzehnten sehr erfolgreich in München angewendet wird, um auch geförderten Wohnungsbau zu schaffen. Bei der Planungsrecht Schaffung, aber auch natürlich die soziale Infrastruktur und dort einen Ausgleich dann auch der entsprechenden Rechten und Pflichte.
00:17:14: Jacqueline Charlier In Hamburg gibt es das Bündnis und dieses Bündnis Vertrag beinhaltet ja entsprechende Regelungen, auch wie den dritte Mix, wie die entsprechenden Möglichkeiten der Schaffung von geförderten Wohnungsbau. Und ich sage mal, es muss nicht immer dasselbe System sein, aber wichtig sind meines Erachtens diese Grundsätze, die ja jeweils sich in diesen Modellen oder in diesen Systemen wiederfinden, um eben diese ausgewogenen Quartiere und insbesondere die Schaffung eines bezahlbaren Wohnraums und damit auch das Leisten können in dieser Stadt für jedermann.
00:17:54: Jacqueline Charlier Und das finde ich sehr, sehr wichtig, um wirklich die Stadt weiterhin so lebenswert zu machen, wie sie es bisher ist. Und daran möchte ich sehr, sehr gerne weiter arbeiten.
00:18:05: Sabine de Buhr Sie haben es gerade genannt. Er ist auch in aller Munde in Hamburger Munde, der sogenannte Hamburgstandard. Den Weg in Hamburg eingeschlagen hat, um das Bauen kostengünstiger zu gestalten, um die Baukosten runter zu bekommen, durch verschiedene Instrumente einfacher bauen, Sachen wegzulassen, Prozesse zu beschleunigen, besseres Projektmanagement zu organisieren. Glauben Sie, dass der Hamburg STANDARD der Schlüssel ist, um den Wohnungsbau anzukurbeln, Oder ist das auch nur ein Baustein von vielen anderen, die wir angehen müssen in Hamburg?
00:18:38: Jacqueline Charlier Es ist ein wichtiger Baustein. Ist es sicherlich nicht der einzige Baustein, aber ein sehr, sehr wichtiger. Und ich würde sogar weitergehen. Er ist noch nicht mal nicht nur bundesweit in aller Munde, sondern ich hatte jetzt gerade vor kurzem eine Delegation aus Shanghai hier, die sich auch interessiert zeigten. Der dänische Botschafter hatte sich vor kurzem anlässlich eines Treffens bei einer Messeveranstaltung sehr interessiert gezeigt.
00:19:05: Jacqueline Charlier Und das ist auch verständlich, weil das, was Hamburg mit dem Hamburg STANDARD aufgesetzt hat und was ja auch andere Bundesländer in anderer Weise versuchen, auch noch mal sich näher anzuschauen. Ist ja die Frage, wie kann ich die Baukosten reduzieren? Weil natürlich hat es in den letzten Jahren erhebliche Steigerungen aus verschiedensten Gründen dort stattgefunden und man muss den Wohnungsbau einfach wieder günstiger errichten können.
00:19:34: Jacqueline Charlier Und gerade der Hamburg STANDARD zeigt, wie detailliert man sich dann aber auch mit den einzelnen Gewerken, mit den einzelnen Schritten beschäftigen muss. Und das ist der Prozess ist ja noch gar nicht am Ende. Und das, glaube ich, macht es auch so spannend, weil wir jetzt ja gerade mit dem Pilotprojekten und den Pilotquartieren in die Umsetzung kommen und auch sehen, wie schaffen wir es, diesen Prozess jetzt auch wirklich die Umsetzung ins Doing zu bringen und auch zu hinterfragen?
00:20:00: Jacqueline Charlier Stimmt das alles? Wo müssen wir reagieren? Ich hatte gesagt, es ist ein Baustein von weiteren sind natürlich durchaus solche Themen wie auch die Instrumente nutzen, die uns der Bundesgesetzgeber gegeben hat. Also Stichwort jetzt auch der Bau Turbo, der jetzt ja gilt. Auch das wird ein sehr spannender Prozess werden. Wo wir gerade mit dem Bau Turbo beschleunigt dem Wohnbau Rechte schaffen können, ohne aber natürlich die gesamt Stadtentwicklung nicht aus den Augen zu verlieren.
00:20:33: Jacqueline Charlier Es kann nicht sein, dass wir jetzt überall den Wohnungsbau hin planen, sondern es muss natürlich weiterhin ein gutes Miteinander mit den verschiedensten Nutzungen passieren. Und da kommen natürlich durchaus auch Flächen, sind einfach endlich durchaus auch verschiedene, ich sach mal, Bedarfe und Nutzungs konkurrenzen, die dann einfach entstehen. Und da muss man ein gutes Miteinander finden. Und deswegen ist ja auch der räumliche Leitbild Prozess, den wir gerade gestartet haben, ist sicherlich da auch ein sehr, sehr wichtiger Aspekt, um eine nachhaltige und soziale und gute Stadtentwicklung insgesamt für Hamburg zu gewährleisten.
00:21:13: Sabine de Buhr Sie haben es gerade gesagt man kann nicht überall Wohnungen hinbauen. Da haben ja auch noch viele Bürgerinnen und Bürger, die auch mit dem Thema Wohnungsbau in meiner Nachbarschaft umgehen müssen. Das sind ja auch sehr emotionale Themen. Das ist ja nicht nur ein Thema, Wir bauen, bauen, bauen, sondern wir bauen mit. Und für die Menschen in Hamburg und ganz oft geht es nicht nur um Zahlen, sondern eben bei diesem Thema auch um Sorgen, Wünsche und Konflikte vor Ort.
00:21:39: Sabine de Buhr Und deswegen würde ich gern mit Ihnen mal über Beteiligung sprechen und darüber, wie wir Menschen in der Stadt auf diesem Weg besser mitnehmen können. Welche Rolle können Sie als Staatsrätin beim Thema Bürgerinitiativen dann überhaupt spielen?
00:21:53: Jacqueline Charlier Also ich würde vielleicht nicht nur Bürgerinitiativen, sondern Bürgerbeteiligung allgemein vielleicht sprechen können. Meines Erachtens ist es sehr, sehr wichtig, frühzeitig zu informieren, umfassend zu informieren und auch zu überlegen mit welchen Instrumenten informiert man und nimmt die Öffentlichkeit dort auch mit? Ich finde gerade die digitalen Möglichkeiten, die es zum Beispiel durch den digitalen Zwilling gibt, wo man also auch Bilder erzeugen kann, weil es ist ja immer eine Sache, einen Plan zu erklären, aber die Vorstellung auch, was kann da entstehen, wie kann das aussehen, was sind auch die Benefits für die Nachbarschaft?
00:22:31: Jacqueline Charlier Das finde ich, muss man übersetzen. Und da sind natürlich gerade die digitalen Tools eine wichtige Möglichkeit, das auch für denjenigen, der nicht so tief in diesen Prozessen und in den Plänen und in den Festsetzungen drin ist. Das darzustellen, das ist das eine. Das zweite ist natürlich auch ich hatte immer wieder mal Situationen, wo frühzeitig eine Beteiligung stattgefunden hat, auch mit Workshops, also deutlich tiefer als nur eine reine Information, sondern wo auch die Bürgerinnen und Bürger sich wirklich aktiv beteiligen konnten.
00:23:06: Jacqueline Charlier Und wichtig ist, entsprechend auch diese Belange mitzunehmen und auch ihnen ein Feedback zu geben. Sich nicht nur damit natürlich auseinandersetzen, sondern ihnen auch erläutern, warum vielleicht etwas dann auch nicht geht. Also diese Rückmeldung, das Verständnis für die andere Seite auch zu schaffen, warum wir dann doch die Planungen in dieser Form und nicht in der gewünschten Form ausführen, hat mir in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass dort, wenn man es erläutert und auf ein Verständnis setzen kann, dass das auch noch mal zu einem ja, ich sage mal besseren Austausch und Dialog kommt.
00:23:44: Jacqueline Charlier Natürlich ist dabei auch immer wichtig, die Zeithorizonte nicht aus den Augen zu verlieren, weil natürlich gerade bei längeren Umsetzungen entstehen natürlich auch teilweise neue Nachbarschaften, Also sprich, es zieht jemand Neues dahin, der nicht am Anfang in den Prozess mit eingebunden war. Dass man auch nicht nur bei der frühzeitigen Beteiligung oder bei einem frühzeitigen Workshop oder anderem Format stehenbleibt, sondern auch kontinuierlich eine Information auch dann im Prozess, der dann vielleicht aus bestimmten Gründen auch eine gewisse Zeit dauern kann, weitergeben kann und damit dann auch nicht.
00:24:25: Jacqueline Charlier Ich sage mal, ein plötzliches Auftreten, Wenn dann doch nach einiger Zeit erst die Umsetzung erfolgt, dass dann nicht die Nachbarschaft oder die Öffentlichkeit sagt Mensch, ich habe ja seit Jahren nichts mehr gehört, sondern es ist dann halt einfach auch ein kontinuierlicher Prozess notwendig.
00:24:42: Sabine de Buhr Ja, aber so ist das eben. Die Quartiersentwicklung sind eben lange, lange, lange Prozesse. Und gerade in unseren Quartieren, die nicht unmittelbar in der gebauten Stadt stattfinden, ist das eine Herausforderung mit der Beteiligung. Aber Sie sagten vorhin, wenn man den Belangen der Bürger Verständnis entgegenbringt, dann reicht das oft schon, und dann fühlen Sie sich mitgenommen. Ich glaube, das ist nicht immer der Fall.
00:25:06: Sabine de Buhr Es gibt ja auch Initiativen, die laut werden und wo man eben ihre Forderungen am Ende nicht umsetzen kann, weil sie auch nicht realistisch sind. Was sagen Sie denen denn?
00:25:16: Jacqueline Charlier Das meinte ich gerade. Ich meine auch, dass es nicht leider immer möglich ist, die entsprechenden Wünsche zu erfüllen. Aber man muss erläutern, warum man es nicht kann. Also man muss das mal mit Verständnis werben. Ich finde wichtig, Demokratie lebt einfach von Diskursen und auch ein wertschätzender Austausch ist dort notwendig. Ich bin bei Ihnen, dass das von beiden Seiten notwendig wäre und ich habe auch Situationen erlebt, wo die andere Seite diese Wertschätzung auch der Behörde, den Planenden, vermissen lassen hat.
00:25:53: Jacqueline Charlier Auch hier, finde ich, muss man entsprechend mit einer ruhigen Art zu versuchen, sie abzuholen. Aber das hat dann auch eine gewisse Grenze, wenn das Verständnis dort einfach nicht da ist. Wichtig ist finde ich zu erläutern, warum man bestimmte Planungen so macht, wie man es dann macht und einfach ja erklärt. Also dieser Austausch, den halte ich für ganz entscheidend.
00:26:22: Sabine de Buhr Ja, das machen wir ja auch als über Hamburg In dem Podcast davor vor Ihnen hatte ich ein Gespräch mit Frau Professor Dr. Zimmer von der Hafencity Universität. Die setzt auch ganz viel auf diese digitalen Zwillinge, wo man Planung deutlich machen kann. Was bedeutet das? Man kann auch darstellen, dass es für beide Seiten vielleicht auch oft zu einer Win Win Situation kommt.
00:26:44: Sabine de Buhr Man setzt den nicht immer nur was vor die Nase, sondern die kriegen auch irgendwas anderes, haben auch ein Mehrwert. Und dass man eben viel datenbasiert, also objektiv argumentieren kann, wenn man sich die Daten genau anguckt. Das waren ihre Argumente, die ich irgendwie auch ganz richtig fand.
00:27:02: Jacqueline Charlier Vielleicht noch einen Satz Wir haben das kann man nicht immer machen, aber wo ich auch durchaus erstaunliche Erfolge gesehen habe, waren sogenannte Bürgergutachten, also wo man die Bürgerinnen und Bürger, also zum einen in einen gewissen Auswahlprozess ja bringt und da auch versucht, eine eher repräsentative Mischung dann auch bei den Beteiligten zu erreichen und zum anderen aber, und darauf wollte ich hinaus wirklich auch mit Experten zusammenbringt und dort auch sich mehr Zeit nimmt für bestimmte Fragestellungen und auch Erläuterungen.
00:27:40: Jacqueline Charlier Und ich war am Anfang durchaus skeptisch, wie das auch angenommen wird, wie das weiter verfolgt wird und muss. Aber gestehen, dass ich also wirklich eine Begeisterung auch bei den Beteiligten gemerkt hat, sich mit diesen Themen tiefer zu beschäftigen. Und gerade durch das tiefer Beschäftigen kam auch ein größeres Verständnis für die verschiedenen Themen, für die Herausforderung und die Fragestellung.
00:28:06: Jacqueline Charlier Und entsprechend konnten sie sich natürlich auch dann die Zeit nehmen und sich auch austauschen. Und gerade dann dieser Austausch der verschiedensten Aspekte, also nicht nur in den Bürgerinitiativen, die ja dann doch in der Regel einen gewissen Sinn oder Zweck von vornherein erst mal selbst verfolgen, sondern den Austausch von verschiedenen, auch Aspekten in der Bürgerschaft führte dann auch dazu, dass die selbst durch den Dialog, den sie dann ja auch mit sich selbst in diesem Bürgergutachten geführt haben, noch mal zu sehr innovativen Ansätzen zu Ideen kam, die aus meiner Sicht gerade für die Verwaltung sehr, sehr hilfreich und kostbar waren.
00:28:47: Jacqueline Charlier Aber das ist natürlich ein sehr intensiver Prozess, auch ein sehr aufwendiger Prozess, der sicherlich nur in bestimmten Bereichen dann auch möglich ist, weil er eben einfach sowohl Kosten, aber eben auch sehr intensiv in der Betreuung ist.
00:29:03: Sabine de Buhr Das habe ich mir notiert. Bürgergutachten. Ich kenne das selber noch nicht oder wir kennen das noch nicht. Das werden wir mal ganz ordentlich recherchieren hier im Nachgang. Also gut, dann haben wir das Kapitel Bürgerbeteiligung einmal diskutiert. Sie sind ja nicht nur unsere neue Staatsrätin, Sie sind ja gleichzeitig auch unsere neue Aufsichtsratsvorsitzende der IBA Hamburg. Und deswegen arbeiten wir ja auch gut und gerne zusammen.
00:29:27: Sabine de Buhr Sie haben damit einen direkten Einblick in unsere großen Projektentwicklungsgebiete und werden von uns auch immer darüber informiert, was jetzt gerade Sache ist. Das heißt, Sie sehen, dass wir langsam in die Umsetzung kommen in unseren Quartieren und die Ebene der Konzepte verlassen und jetzt wirklich auch anfangen zu bauen, Baugenehmigungen haben und wenn die Vermarktung starten und die Flächen herrichten.
00:29:52: Sabine de Buhr Was sehen Sie als größte Herausforderung für die IBA Quartiere gerade jetzt, wenn wir in die Realisierung gehen?
00:29:58: Jacqueline Charlier Wir reden ja wirklich über große Gebiete und daher ist natürlich die Koordination dieser verschiedensten Gewerke oder auch Bereiche, ich sage mal, die technische, die grüne, die überhaupt die Bauabläufe halte ich für eine sehr, sehr große Herausforderung, die da auf sie zukommt, oder auf sie, wo sie ja mittendrin schon stehen, die natürlich verbunden ist mit zeitlichen Abstimmung, mit finanziellen Abstimmungen.
00:30:26: Jacqueline Charlier Es sind sehr, sehr viele Akteure, die es zu koordinieren gilt, die natürlich alle versuchen, auch ich sage mal, ihr die optimalen Bedingungen für ihre Herausforderungen zu schaffen und das in Einklang zu bringen, wird sicherlich eine ganz, ganz große Herausforderung, weil man natürlich sehr schnell merkt, wie die auch ineinander greifen. Und wenn bei der einen dann irgendwo eine Verzögerung ist, wie gleicht man das aus?
00:30:52: Jacqueline Charlier Wie kann man dann vielleicht zeitlich noch was gewinnen? Wie kann man vielleicht auch schauen, wo man dann womöglich in einem anderen Bereich anfangen muss? Also das finde ich ein sehr, sehr spannender Prozess und muss gestehen, dass ich mich wirklich freue, die IBA da auch als Aufsichtsratsvorsitzende zu begleiten und finde, dass sie jetzt schon einen tollen Job da machen.
00:31:13: Jacqueline Charlier Und der wird aber jetzt natürlich gerade durch die Umsetzung immer spannender und ich bin da sehr, sehr dankbar, dass sie mir auch gleich am Anfang da durch eine Rundfahrt schon mal so einen kleinen Überblick verschafft haben über die Gebiete. Weil es ist doch noch mal was anderes, wenn man wirklich die Gebiete dann auch vor Ort erlebt und begreift, die Dimension auch sieht, als sie nur einfach auf dem Plan zu sehen.
00:31:36: Jacqueline Charlier Und ja, da freue ich mich auf die weitere Begleitung in den nächsten Jahren.
00:31:39: Sabine de Buhr Ja, wir freuen uns auch. Und die Busfahrt war ja auch richtig interessant. Sie haben es gesagt, Wir waren lange mit dem Bus unterwegs, weil die Gebiete eben auch an den Rändern der Stadt zum Teil sind. Nicht unmittelbar, bis auf Wilhelmsburg nicht unmittelbar drin, aber das ist ja auch gerade ich bin ja auch Soziologin und Stadtplanerin. Für mich auch interessant, an diesen Orten neue urbane Quartiere zu schaffen, die eine absolute Qualität haben und in allen Bereichen des Lebens ein gutes Angebot schaffen.
00:32:09: Sabine de Buhr Und eigentlich sollte ich Ihnen die Frage stellen Welche Chancen bieten die Quartiersentwicklung für Spicker Reden oder unseren neuen Stadtteil Ober Billwerder? Ich denke, dass wir dadurch, dass die auch so besondere Lagen innerhalb der Stadt haben, sehr viele Chancen auch für junge Familien, eigentlich für alle Menschen bieten, die wollen, weil man findet in allen Lebenslagen ein gutes Angebot in unseren Quartieren, also das zeichnet Sie eigentlich aus, oder sehen Sie das anders?
00:32:37: Jacqueline Charlier Nein, das habe ich absolut. Sehe ich genauso. Und ich hatte ja die Dimension und die Größe angesprochen. Was ich noch wichtig finde Wir reden über städtische oder ehemals städtische Flächen, aber auf jeden Fall Flächen, die von der Stadt ja, also direkt in der Hand liegen. Und das glaube ich, ist ein riesen Pfund in der Entwicklung, weil man natürlich dadurch noch ganz gezielt gerade in der Quartiersentwicklung agieren kann.
00:33:03: Jacqueline Charlier Und das ist sehr, sehr viel wert aus meiner Sicht, weil man noch mal anders steuern kann. Das ist natürlich auch bei den privaten Flächen möglich, aber da muss man schon sehr, sehr viel natürlich auch im Bebauungsplan Prozess durch die städtebaulichen Verträge entsprechend agieren. Und hier ist es jetzt in der Umsetzung, in der Vermarktung der Flächen entweder in der Erbbaurecht oder in den Verkäufen.
00:33:27: Jacqueline Charlier Also das gibt ja verschiedene Konstellationen, jeweils bei den Flächen hat man natürlich noch mal ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten, damit natürlich auch andere Herausforderungen bei der Quartiersentwicklung, weil man eben für für alles dann auch verantwortlich ist. Aber ich teile das absolut und das sind großartige Gebiete jeweils in den verschiedenen Bereichen und daher bin ich auch sehr gespannt und gerade auch die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum ist damit natürlich auch gewährleistet.
00:33:58: Jacqueline Charlier Und das ist natürlich, was Hamburg wirklich braucht.
00:34:01: Sabine de Buhr Ja, das stimmt. Sie sagen es bezahlbarer Wohnraum. Also wir haben ja verschiedene Anforderungen, die wir umsetzen müssen. Also wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen, wir müssen die Kostensteigerungen in den Griff kriegen, wir müssen nachhaltig bauen, wir müssen die Klimaanpassung umsetzen, weil wir auch neue, sehr engagierte Klimaziele einhalten müssen. Das sind ja Anforderungen an den Wohnungsbau. Da stehen wir oft vor der Frage Entweder oder Können wir alles umsetzen, um trotzdem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
00:34:32: Sabine de Buhr Oder müssen wir was abwägen und was fallen lassen? Wie schaffen wir das am besten? Und wie sehen Sie das aus Ihrer Sicht? Wie würden Sie die Entscheidungen treffen? Weil ja alles eigentlich gleichzeitig wichtig und dringlich ist. Also wir können ja jetzt nicht den Klimaschutz wegfallen lassen, weil wir bezahlbaren Wohnraum schaffen müssen oder ganz schnell bauen müssen oder die nachhaltigen Baustoffe nicht mehr in den Fokus nehmen.
00:34:56: Sabine de Buhr Das sind ja Anforderungen, die, die man managen muss.
00:35:00: Jacqueline Charlier Absolut. Ich finde, das gerade uns in der Stadtentwicklung auszeichnet, ist ja das Thema Abwägung der Belange. Wir müssen tagtäglich mit verschiedensten Wünschen, Herausforderungen, Anforderungen umgehen und die in einen Einklang zu setzen, Prioritäten zu setzen bzw auch die Ausgewogenheit in den Quartieren zu schaffen. Eine sehr, sehr hohe Kunst, die uns aber meines Erachtens immer schon sehr, sehr gut in der Stadtentwicklung gelungen ist, weil wir eben dieses Abwägen auch über die Ermessensentscheidungen gut schaffen.
00:35:40: Jacqueline Charlier Es gibt die eierlegende Wollmilchsau einfach nicht, sondern man muss schauen, wie schaffe ich in bestimmten Bereichen zum Beispiel entsprechend die Klima Resilienz, wo kann ich die entsprechenden Bereiche dann in der Grundstruktur schaffen? Wie schaffe ich es auch, mit den entsprechenden wirtschaftlichen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, das Optimum herauszuholen und diese Abwägung, das ist das tagtägliche Brot meines Erachtens von jedem Stadtplaner, von der Stadtentwicklung.
00:36:15: Jacqueline Charlier Es ist eine gewisse Kunst. Das ist auch eine gewisse Herausforderung, die wir haben, weil im Prinzip wir viele, viele Aspekte einsammeln und sie dann in einen Einklang bringen müssen. Und wir müssen auch lernen, also wir. Es wird nicht immer von Anfang an gleich das perfekte Ergebnis sein, sondern wir müssen aus den Erfahrungen, aus anderen Gebieten lernen. Wir müssen schauen, was hat das Projekt für Benefits gebracht, wo sind da Vorteile?
00:36:43: Jacqueline Charlier Und genau dieser Lernprozess, dieses ich sage mal aus Pilotprojekten lernen, wie wir es jetzt ja auch beim Hamburg STANDARD mit den Pilotprojekten machen. Das, finde ich, ist die große Kunst, die uns aber in der Vergangenheit und damit mich auch optimistisch für die Zukunft darstellen lässt. Weil die Herausforderungen werden ja nicht weniger. Auch Europa hat das Thema Wohnungsbau jetzt auf die Agenda gebracht.
00:37:10: Jacqueline Charlier Mit dem Affordable Housing Plan. Auch da wird es sicherlich weitere Diskussionen auch geben. Was könnten dort für Erleichterungen entstehen? Und ich finde gerade die verschiedensten Aspekte im Artenschutz, im Klimaschutz, in wirtschaftlichen Aspekten, im Bezahlbar barkeit des Wohnraums, das in Einklang zu bringen ist eine große Herausforderung. Und die lässt sich nur dadurch auch gewährleisten, indem wir wirklich mit Pilotprojekten, mit Erfahrungssprojekten lernen und daraus dann unsere Schlüsse auch für die weiteren Projekte gewinnen.
00:37:49: Sabine de Buhr Genau das ist eine stetige und ständige Herausforderung, der wir uns ja auch gerne stellen. Wir sind jetzt fast am Ende unseres Gesprächs und was wir gerne am Ende auch unseres Gesprächs mit unseren Gästen machen Wir werfen immer gemeinsam noch mal einen Blick in die Zukunft, egal wie weit hinaus in die Zukunft. Aber wir fragen dann immer Welche Stadt wollen wir in 101520 Jahren sehen?
00:38:14: Sabine de Buhr Wie stellen Sie sich das Hamburg dann in Zukunft vor? Also wir haben ja jetzt schon eine schöne Stadt, aber wie sieht sie in 20, 30 Jahren aus?
00:38:22: Jacqueline Charlier Ich würde gerne Olympiastadt sein.
00:38:24: Sabine de Buhr Ah ja.
00:38:25: Jacqueline Charlier Für mich ist das Thema Olympia auch gerade dieses Jahr natürlich mit wichtigen Entscheidungen. Eigentlich schon Herzensangst wegen. Ich bin zum einen großer Sportfan, das ist das eine. Aber ich finde, lympische Spiele bieten auch für die Stadtentwicklung große, große Chancen. Große Möglichkeiten, auch Projekte sowohl zu beschleunigen, aber auch zu ermöglichen. Und ich glaube, Hamburg als Weltoffenheit, als lebenswerte Stadt, wie Sie schon sagen, was wir jetzt ja schon sind Hamburg ist ready für Olympia und ich glaube, dass wir viele großartige Möglichkeit, weil ich in 15 Jahren, 20 Jahren sagen könnte Es ist toll, in einer Olympiastadt zu wohnen.
00:39:11: Sabine de Buhr Das ist aber eine sehr schöne Vision von Ihnen und, wie ich finde, auch ein sehr schönes Schlusswort. Vielen Dank, Frau Schalier, für diesen Einblick in Ihre Arbeit, Ihre Haltung und Ihre Ziele für Hamburg. Wir freuen uns natürlich auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen und ich sage Auf Wiedersehen. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch.
00:39:31: Jacqueline Charlier Vielen Dank, Frau de Boer. Das wünsche ich Ihnen auch und allen Hörerinnen und Hörer. Danke schön.
00:39:35: Sabine de Buhr Ich bedanke mich bei unseren Zuhörenden recht herzlich fürs Einschalten. Unser Podcast Hallo Hamburg Stadt neu bauen erscheint alle vier Wochen. Wenn Sie sich für die Projekte der über Hamburg interessieren, folgen Sie uns gerne auf Social Media oder werfen einen Blick auf unsere Internetseite www.fieber minus hamburg.de. Mein Name ist Sabine Debour und ich sage Auf Wiedersehen. Bis zum nächsten Mal.